Die Elenden-Bruderschaft in Paderborn kümmert sich darum, dass wohnungslose Menschen ohne Angehörige würdevoll bestattet werden – anstatt anonym beigesetzt zu werden. Die Mitglieder wissen, wie wichtig die Erinnerung an die Toten ist: „Es ist wichtig, dass man nicht ohne Spuren aus dem Leben geht.“
Dass verstorbene Paderborner Obdachlose nicht einfach verschwinden, sondern eine würdige Bestattung erhalten, das hat sich die Elenden-Bruderschaft zur Aufgabe gemacht.
Würde es sie nicht geben, so würden diese Menschen anonym von der Stadtverwaltung auf einem der Paderborner Friedhöfe beigesetzt. Ordnungsbehördliche Bestattung nennt sich dies und wird immer dann vollzogen, wenn die Toten keine Angehörigen hinterlassen.
Eine schreckliche Vorstellung für Jürgen Seelhorst und Dechant Benedikt Fischer, die gemeinsam mit Carsten Schulze die Geschäftsführung der Bruderschaft bilden. „Wir hören auch von den Obdachlosen immer wieder, wie wichtig es ihnen ist, eine würdevolle Beisetzung zu bekommen“, sagen sie. „Dadurch fühlen sie sich auch als Person anerkannt.“
Stirbt in Paderborn ein Wohnungsloser, der keine Familie mehr hat, so informiert das Ordnungsamt die Elenden-Bruderschaft, die daraufhin die Beisetzung organisiert, die Trauerfeier gestaltet und einen Teil der Kosten trägt. Sie sorgen außerdem dafür, dass der Name des Toten auf der Erinnerungsstele verewigt wird und begleiten die Mitglieder die Beisetzung.
Die Elenden-Bruderschaft wurde 1349 zur Zeit der Pest in Paderborn gegründet, um Fremde („ellende“ genannt) zu bestatten und für ihr Totengedächtnis zu sorgen. Sie überstand den Wechsel der Zeiten, so heißt es in der Chronik, begrub viele Nichtsesshafte und kümmert sich seit 1979 auch schon zu Lebzeiten um diese Menschen.
Aktuell zählt die katholische Bruderschaft mehr als 400 Mitglieder. Über den Jahresbeitrag (15 Euro) und den Beitrag für das gemeinsame Mahl werden das jährliche Bruderschaftsmahl sowie die Beerdigungen anteilig mit finanziert. Außerdem spendet die Bruderschaft an Organisationen, die sich um Obdachlose kümmern, und unterstützt das Frühstücksangebot im Forum St. Liborius.
Weiterführende Erläuterungen von Dechant Fischer im Interview mit der Zeitschrift DER DOM.
Kontakt
- Pfarrer Benedikt Fischer
- Jürgen Seelhorst
- Carsten Schulze